PoTS › Welcher Arzt?
Welcher Arzt bei PoTS? Wer abklärt – und wie Sie schneller zur Diagnose kommen
Hausarzt, Internist, Kardiologie oder Neurologie? Wer bei Verdacht auf PoTS was untersucht, warum der Weg oft lange dauert und was Sie selbst vorbereiten können.
Prim. Priv.-Doz. Dr. Robert Winker · Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin · Oktober 2026
Kurz gesagt
- Erste Anlaufstelle ist Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt – am besten mit eigenen Messwerten aus dem Stehtest.
- Oft lässt sich die Diagnose schon in der Ordination sichern: mit einem sorgfältigen Stehtest (Schellong-Test), EKG und Blutbefunden, wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind.
- Internistinnen, Internisten und die Kardiologie prüfen das Herz und die Belastbarkeit.
- Den Kipptisch braucht es vor allem, wenn der Stehtest unauffällig bleibt, der Verdacht aber nicht – und bei echten Ohnmachten. Er wird an wenigen Zentren angeboten, oft mit Wartezeit.
Wer macht was?
Hausärztin oder Hausarzt: nimmt die Beschwerden auf, misst Puls und Blutdruck im Liegen und Stehen, veranlasst Blutbefunde und ein EKG, prüft eingenommene Mittel und überweist gezielt weiter. Ihre eigenen Messwerte aus dem Stehtest zu Hause sparen hier oft einen ganzen Termin.
Innere Medizin und Kardiologie: schließen Herzrhythmusstörungen und Erkrankungen des Herzmuskels aus (Langzeit-EKG, Herzultraschall), führen den Schellong-Test unter Aufsicht durch und bestimmen mit der Ergometrie, wie belastbar Sie sind. Aus Ruhe- und Maximalpuls der Ergometrie lässt sich ein Trainingspuls berechnen, der weder über- noch unterfordert.
Neurologie und Labore für das autonome Nervensystem: Kipptisch mit fortlaufender Blutdruckmessung und weitere autonome Funktionstests – wichtig bei unklaren Befunden, bei Ohnmachten oder wenn eine Nervenschädigung vermutet wird.
Bei Verdacht auf ME/CFS: Entscheidend ist die post-exertionelle Malaise – eine deutliche Verschlechterung 12 bis 48 Stunden nach Anstrengung. Dann steht Pacing an erster Stelle, und eine Ergometrie ist nicht sinnvoll. Mehr im Beitrag PoTS nach COVID.
Warum es oft so lange dauert
In der bisher größten Befragung von 4.835 Menschen mit PoTS vergingen bis zur Diagnose im Median 24 Monate, und Fehldiagnosen waren häufig (J Intern Med 2019). Ein Grund ist die Versorgung: Eine Erhebung der europäischen Fachgesellschaften fand 84 Labore für das autonome Nervensystem in 22 Ländern – ungleich verteilt, in Süd- und Osteuropa deutlich seltener als im Norden und Westen (Eur J Neurol 2022). Dazu kommt, dass die Beschwerden viele Fachgebiete berühren und Betroffene oft von Ordination zu Ordination weitergereicht werden.
Die gute Nachricht: Für die meisten Menschen braucht es keinen Spezialisten-Marathon. Ein sauber durchgeführter Stehtest ist sehr aussagekräftig – in unserer Vergleichsstudie war ein auffälliger Schellong-Test in jedem Fall richtig (Wien Klin Wochenschr 2005). Ein unauffälliger Test schließt PoTS aber nicht aus; dann hilft der Kipptisch weiter.
Welche Untersuchung wofür
| Untersuchung | Wofür | Wer |
|---|---|---|
| Stehtest / Schellong-Test | Verlauf von Puls und Blutdruck im Stehen – der erste und wichtigste Schritt | Hausärztin/Hausarzt, Internist |
| Ruhe-EKG und Blutbefunde | Andere Ursachen ausschließen, etwa Schilddrüse, Blutarmut oder Elektrolytstörungen | Hausärztin/Hausarzt, Internist |
| Langzeit-EKG, Herzultraschall | Herzrhythmus und Herzmuskel prüfen | Internist, Kardiologie |
| Kipptisch | Wenn der Stehtest unauffällig ist, der Verdacht aber bleibt – und bei Ohnmachten | Kardiologie, Neurologie (autonome Labore) |
| Ergometrie | Belastbarkeit sowie Ruhe- und Maximalpuls für den Trainingsplan – nicht bei post-exertioneller Malaise | Internist, Kardiologie |
Was Sie selbst vorbereiten können
Damit der Termin etwas bringt – egal bei wem:
- Den Stehtest zu Hause an zwei bis drei Tagen machen und das Protokoll mitnehmen.
- Den Selbst-Check ausfüllen: Er bildet die typischen Beschwerden strukturiert ab.
- Notieren, was die Beschwerden verstärkt (Hitze, Essen, langes Stehen) und ob es Ihnen nach Anstrengung ein bis zwei Tage später schlechter geht.
- Alle eingenommenen Mittel auflisten, auch frei verkäufliche.
- Vorhandene Befunde mitbringen: EKG, Langzeit-EKG, Blutbefunde, Arztbriefe.
- Ihre drei wichtigsten Fragen aufschreiben.
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Wann sofort
Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie bei Brustschmerz, Ohnmacht mit Verletzung, einem Ruhepuls dauerhaft über 120, schwerer Atemnot oder neuen neurologischen Ausfällen wie Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen – Notruf 144 (Österreich) bzw. 112.
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Zum Paket →Zum Autor: Prim. Priv.-Doz. Dr. Robert Winker ist Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin in Wien, habilitiert an der Medizinischen Universität Wien und Erstautor der randomisierten Studie zu Ausdauertraining bei orthostatischer Intoleranz (Hypertension 2005). Publikationen zu PoTS
Quellen
Sheldon RS et al. 2015 Heart Rhythm Society expert consensus statement on the diagnosis and treatment of postural tachycardia syndrome, inappropriate sinus tachycardia, and vasovagal syncope. Heart Rhythm 2015. DOI
Vernino S et al. Postural orthostatic tachycardia syndrome (POTS): State of the science and clinical care from a 2019 NIH Expert Consensus Meeting – Part 1. Auton Neurosci 2021. DOI
Shaw BH, Stiles LE, Bourne K, et al. The face of postural tachycardia syndrome – insights from a large cross-sectional online community-based survey. J Intern Med 2019;286:438–448. DOI
Habek M, Leys F, Krbot Skorić M, et al. Clinical autonomic nervous system laboratories in Europe: a joint survey of the European Academy of Neurology and the European Federation of Autonomic Societies. Eur J Neurol 2022;29:3633–3646. DOI
Winker R, Prager W, Haider A, Salameh B, Rüdiger HW. Schellong test in orthostatic dysregulation: a comparison with tilt-table testing. Wien Klin Wochenschr 2005;117:36–41. DOI
Dieser Beitrag ist allgemeine medizinische Information und ersetzt keine Untersuchung. Bei Brustschmerz, Ohnmacht mit Verletzung, schwerer Atemnot oder neuen neurologischen Ausfällen: Notruf 144 (Österreich) bzw. 112.