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PoTS nach COVID: Was hilft – und wann Pacing vor Training geht
Nach einer COVID-Infektion entwickeln manche Menschen ein PoTS. Oft bessert es sich – aber die Behandlung hängt an einer Frage: Gibt es eine Verschlechterung nach Belastung?
Prim. Priv.-Doz. Dr. Robert Winker · Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin · Oktober 2026
Wie häufig PoTS nach COVID ist
Infektionen sind seit langem ein bekannter Auslöser von PoTS, COVID-19 hat die Zahl der Betroffenen aber deutlich erhöht. In einer schwedischen Gruppe von 467 stark beeinträchtigten Long-COVID-Patient:innen war PoTS häufig, betraf vor allem jüngere Frauen und ging mit geringerer körperlicher Aktivität und kürzerer Gehstrecke einher. Die Amerikanische Autonome Gesellschaft hat 2021 eine eigene Stellungnahme zu PoTS nach COVID veröffentlicht – Diagnostik und Grundbehandlung entsprechen dem PoTS anderer Ursache.
Woran Sie es erkennen
Die Beschwerden sind dieselben wie bei jedem PoTS: Herzrasen und Schwindel im Stehen, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Besserung im Liegen. Mit einem Stehtest zu Hause lässt sich der Pulsanstieg messen. Wichtig ist, andere Folgen der Infektion nicht zu übersehen – etwa eine Herzmuskelbeteiligung, Lungenveränderungen oder eine Blutarmut. Dafür gehören EKG, Blutbefunde und gegebenenfalls ein Herzultraschall zur Abklärung.
Die entscheidende Frage: Gibt es eine Verschlechterung nach Belastung?
Viele Menschen mit PoTS nach COVID erfüllen zugleich die Kriterien für ME/CFS. Neue Untersuchungen zeigen, dass Long COVID und ME/CFS ein sehr ähnliches Muster der autonomen Regulation haben, und Muskelstudien deuten auf Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen in der Muskulatur hin. Das Kennzeichen ist die post-exertionelle Malaise (PEM): eine deutliche Verschlechterung 12 bis 48 Stunden nach körperlicher oder geistiger Anstrengung, die Tage anhält.
Bei PEM kann ein stufenweise gesteigertes Training schaden. Die britische NICE-Leitlinie rät deshalb seit 2021 bei ME/CFS von festen Steigerungsprogrammen ab und empfiehlt Energiemanagement – Pacing. Die Leitlinie ist in der Fachwelt umstritten, für die Praxis gilt aber eine klare Vorsichtsregel: keine feste Steigerung bei PEM.
Was Pacing bedeutet
- Unter der persönlichen Belastungsgrenze bleiben – auch an guten Tagen
- Aktivitäten aufteilen, Pausen einplanen, bevor die Erschöpfung kommt
- Den Puls als Warnsignal nutzen (Pulsuhr), körperliche und geistige Belastung gleichermaßen zählen
- Ein Beschwerdetagebuch über zwei Wochen zeigt, wo die Grenze liegt
Training ist trotzdem nicht tabu – die Dosis entscheidet
Ohne PEM gilt bei PoTS nach COVID dasselbe wie bei anderem PoTS: Volumen, Kompression und ein schrittweise aufgebautes Ausdauertraining. Und auch bei Long COVID kann ein sehr behutsames, individuell dosiertes Programm helfen: In einer schwedischen Studie trainierten 26 Patient:innen mit PoTS nach COVID zwölf Wochen lang mit individueller Dosierung und wöchentlicher physiotherapeutischer Begleitung – 96 Prozent schlossen ab, es gab keine Sicherheitsprobleme, Beschwerden und Funktion verbesserten sich. Der Unterschied zum klassischen Training: nach Beschwerden gesteuert, pulsgeführt, oft im Liegen, und beim ersten Zeichen von PEM wird reduziert.
Wie das konkret aussieht, lesen Sie unter Behandlung und Training.
Wie es weitergeht
Viele Betroffene erleben über Monate eine Besserung. Entscheidend ist, früh die richtige Spur zu nehmen: PoTS ohne PEM aktiv behandeln, PoTS mit PEM zuerst stabilisieren. In unserer PoTS-Abklärung klären wir genau das – und bei ME/CFS gibt es statt einer Ergometrie einen Pacing-Plan.
PoTS-Abklärung – ein Paket, ein Preis
Fragebogen, Befund-Upload, Stehtest zu Hause, Untersuchung mit Schellong-Test und Ergometrie in Wien (für Deutschland und die Schweiz per Video), individueller Behandlungs- und Trainingsplan und ausführlicher Arztbrief – Festpreis 490 €.
Zum Paket →Zum Autor: Prim. Priv.-Doz. Dr. Robert Winker ist Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin in Wien, habilitiert an der Medizinischen Universität Wien und Erstautor der randomisierten Studie zu Ausdauertraining bei orthostatischer Intoleranz (Hypertension 2005). Publikationen zu PoTS
Quellen
Raj SR, Arnold AC, Barboi A, et al. Long-COVID postural tachycardia syndrome: an American Autonomic Society statement. Clin Auton Res 2021. DOI
Björnson M, et al. Prevalence and clinical impact of postural orthostatic tachycardia syndrome in highly symptomatic long COVID. Circ Arrhythm Electrophysiol 2025. DOI
Novak P, et al. Shared autonomic phenotype of long COVID and myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome. PLoS One 2026. DOI
Scheibenbogen C, Wirth KJ. Key pathophysiological role of skeletal muscle disturbance in post COVID and ME/CFS. J Cachexia Sarcopenia Muscle 2025. DOI
Svensson A, Svensson-Raskh A, Holmström L, et al. Individually tailored exercise in patients with POTS related to post-COVID-19 condition – a feasibility study. Sci Rep 2024. DOI
Vink M, Vink-Niese A. The draft updated NICE guidance for ME/CFS highlights the unreliability of subjective outcome measures in non-blinded trials. J Health Psychol 2021. DOI
White P, et al. Anomalies in the review process and interpretation of the evidence in the NICE guideline for chronic fatigue syndrome and myalgic encephalomyelitis. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2023. DOI
Dieser Beitrag ist allgemeine medizinische Information und ersetzt keine Untersuchung. Bei Brustschmerz, Ohnmacht mit Verletzung, schwerer Atemnot oder neuen neurologischen Ausfällen: Notruf 144 (Österreich) bzw. 112.