PoTS › Symptome und Diagnose
PoTS: Symptome erkennen, Diagnose sichern
Herzrasen und Schwindel im Stehen, Besserung im Liegen: Woran Sie PoTS erkennen, welches Puls-Kriterium gilt und was vor der Diagnose ausgeschlossen werden muss.
Prim. Priv.-Doz. Dr. Robert Winker · Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin · Oktober 2026
Was PoTS ist
Das posturale Tachykardiesyndrom (PoTS) ist eine Störung der Kreislaufregulation durch das autonome Nervensystem. Beim Aufstehen steigt der Puls deutlich stärker an als normal, und Sie fühlen sich schlecht – ohne dass der Blutdruck abfällt. Betroffen sind schätzungsweise 0,1 bis 1 Prozent der Bevölkerung, vor allem Frauen zwischen 15 und 45 Jahren. Bei 30 bis 40 Prozent beginnen die Beschwerden innerhalb von drei Monaten nach einer Infektion (etwa COVID-19, Pfeiffersches Drüsenfieber, Grippe); weitere Auslöser sind Operationen, Schwangerschaft, Verletzungen oder lange Bettruhe.
PoTS ist belastend, aber keine gefährliche Erkrankung. Die meisten Betroffenen können mit der richtigen Diagnose und einem passenden Plan deutlich besser leben. Das Problem ist eher der Weg dorthin: Bis zur Diagnose vergehen im Mittel noch immer rund zwei Jahre.
Typische Beschwerden
- Benommenheit, Schwindel oder „Schwarzwerden vor den Augen" innerhalb weniger Minuten im Stehen – umso stärker, je länger Sie stehen
- Herzrasen oder Herzklopfen beim Aufstehen oder schon bei leichter Tätigkeit (Stiegensteigen, Duschen, Hausarbeit)
- Ausgeprägte Erschöpfung und geringe Belastbarkeit; die Erholung nach Anstrengung dauert ungewöhnlich lange
- „Brain Fog": Konzentrationsprobleme, Wortfindungsstörungen, Vergesslichkeit
- Zittrigkeit, Schwitzen, Übelkeit, Kopfschmerz, verschwommenes Sehen, bläulich-kalte Hände und Füße im Stehen
- Besserung im Liegen; Hitze, große Mahlzeiten, zu wenig Flüssigkeit, Alkohol und langes Stehen verschlechtern
- Beinahe-Ohnmachten; echte Ohnmachten sind weniger typisch und gehören kardiologisch abgeklärt
Dass sich solche Beschwerden mit einem kurzen Fragebogen gut erfassen lassen, haben wir in einer Studie an 138 jungen Erwachsenen gezeigt: Ein zehn Fragen umfassender Fragebogen erkannte 93,5 Prozent der Personen mit einer Kreislaufregulationsstörung, die im Kipptisch bestätigt wurde (Int Arch Occup Environ Health 2003). Eine moderne Fassung finden Sie im Selbst-Check.
Das Puls-Kriterium
Nach den internationalen Konsensuskriterien liegt PoTS vor, wenn über mindestens drei Monate typische Beschwerden im Stehen bestehen und der Puls innerhalb von 10 Minuten nach dem Aufstehen (oder im Kipptisch) um mindestens 30 Schläge pro Minute anhaltend ansteigt – bei Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren um mindestens 40 –, ohne dass der Blutdruck um 20 mmHg systolisch oder 10 mmHg diastolisch abfällt. Der Puls im Stehen liegt oft über 120. Ein einzelner hoher Wert reicht nicht: Der Anstieg muss reproduzierbar sein und die Beschwerden erklären.
Wie Sie das zu Hause messen – und wann der Kipptisch nötig ist – lesen Sie im Beitrag Stehtest und Schellong-Test.
Was vorher ausgeschlossen werden muss
Ein schneller Puls im Stehen hat viele mögliche Ursachen. Bevor die Diagnose PoTS gestellt wird, sollten unter anderem Schilddrüsenerkrankungen, Nebenniereninsuffizienz, Blutarmut, Flüssigkeitsmangel, Erkrankungen des Herzmuskels, der Herzklappen oder angeborene Herzfehler, chronische Lungenerkrankungen sowie Nebenwirkungen eingenommener Mittel bedacht und gegebenenfalls untersucht werden. Übliche erste Schritte sind eine genaue Anamnese, die körperliche Untersuchung, ein Ruhe-EKG, Blutbefunde und oft ein Langzeit-EKG und ein Herzultraschall.
Die Frage, die den Behandlungsplan ändert
Fragen Sie sich: Geht es mir nach körperlicher oder geistiger Anstrengung 12 bis 48 Stunden später für einen Tag oder länger deutlich schlechter? Das nennt man post-exertionelle Malaise (PEM). Sie ist das Kennzeichen von ME/CFS und kommt bei PoTS nach COVID häufig vor. PoTS ohne PEM behandeln wir mit einem schrittweise aufgebauten Training; PoTS mit PEM nicht – hier steht Pacing an erster Stelle. Mehr dazu im Beitrag Behandlung und Training.
Wann zum Arzt – und wann sofort
Gehen Sie zu Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, wenn die Beschwerden länger als einige Wochen bestehen oder Ihren Alltag einschränken. Nehmen Sie Ihre Messwerte mit – sie helfen wirklich. Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie bei Brustschmerz, Ohnmacht mit Verletzung, einem Ruhepuls dauerhaft über 120, schwerer Atemnot oder neuen neurologischen Ausfällen wie Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen.
PoTS-Abklärung – ein Paket, ein Preis
Fragebogen, Befund-Upload, Stehtest zu Hause, Untersuchung mit Schellong-Test und Ergometrie in Wien (für Deutschland und die Schweiz per Video), individueller Behandlungs- und Trainingsplan und ausführlicher Arztbrief – Festpreis 490 €.
Zum Paket →Zum Autor: Prim. Priv.-Doz. Dr. Robert Winker ist Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin in Wien, habilitiert an der Medizinischen Universität Wien und Erstautor der randomisierten Studie zu Ausdauertraining bei orthostatischer Intoleranz (Hypertension 2005). Publikationen zu PoTS
Quellen
Sheldon RS et al. 2015 Heart Rhythm Society expert consensus statement on the diagnosis and treatment of postural tachycardia syndrome, inappropriate sinus tachycardia, and vasovagal syncope. Heart Rhythm 2015. DOI
Vernino S et al. Postural orthostatic tachycardia syndrome (POTS): State of the science and clinical care from a 2019 NIH Expert Consensus Meeting – Part 1. Auton Neurosci 2021. DOI
Fedorowski A. Postural orthostatic tachycardia syndrome: clinical presentation, aetiology and management. J Intern Med 2018. DOI
Chung TH et al. Postural Orthostatic Tachycardia Syndrome (POTS): A Review. JAMA 2026. DOI
Winker R et al. Diagnostic management of orthostatic intolerance in the workplace. Int Arch Occup Environ Health 2003;76:143–150. DOI
Dieser Beitrag ist allgemeine medizinische Information und ersetzt keine Untersuchung. Bei Brustschmerz, Ohnmacht mit Verletzung, schwerer Atemnot oder neuen neurologischen Ausfällen: Notruf 144 (Österreich) bzw. 112.