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PoTS › Arbeit und Beruf

PoTS und Arbeit: Was der Kreislauf im Beruf bedeutet

Langes Stehen, Hitze, Schichtdienst: Manche Tätigkeiten belasten den Kreislauf bei PoTS besonders. Was am Arbeitsplatz hilft – und wie die Leistungsfähigkeit nachvollziehbar beurteilt wird, wenn es um Krankenstand, Pension oder Versicherung geht.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Robert Winker · Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin · Oktober 2026

Warum PoTS ein arbeitsmedizinisches Thema ist

PoTS trifft überwiegend Menschen im Erwerbsalter. Die Beschwerden entstehen genau dort, wo viele Berufe ihre Anforderungen haben: im Stehen, bei Hitze, bei körperlicher Arbeit und bei langen Diensten. Ich habe mich mit der orthostatischen Intoleranz von Beginn an aus arbeitsmedizinischer Sicht beschäftigt – unter anderem mit einem kurzen Fragebogen, der Betroffene zuverlässig erkennt (93,5 Prozent der im Kipptisch bestätigten Kreislaufregulationsstörungen; Int Arch Occup Environ Health 2003) und mit der Frage, was die Störung für die berufliche Leistungsfähigkeit bedeutet (Wien Klin Wochenschr 2004).

Was besonders belastet

  • Tätigkeiten mit langem, ruhigem Stehen (Verkauf, Kasse, Produktion am Band, Operationssaal, Unterricht)
  • Hitze und warme Räume, schwere Schutzkleidung
  • Schwere körperliche Arbeit, vor allem in aufrechter Haltung und mit Heben über Kopf
  • Nacht- und Schichtarbeit, lange Dienste ohne Pausen zum Trinken und Hinsetzen
  • Tätigkeiten mit Absturz- oder Unfallgefahr, wenn Schwindel oder Beinahe-Ohnmachten auftreten (Leitern, Gerüste, Maschinen, Fahrdienste)

Was am Arbeitsplatz hilft

  • Möglichkeit, zwischen Stehen und Sitzen zu wechseln (Steh-Sitz-Arbeitsplatz, Stehhilfe)
  • Trinken am Arbeitsplatz jederzeit erlauben; kurze Pausen zum Hinsetzen oder Hinlegen
  • Kompressionsstrümpfe auch im Dienst; kühle Arbeitsumgebung, wo möglich
  • Stufenweiser Wiedereinstieg nach längerer Krankheit, statt sofort voller Belastung
  • Bei Unfallgefahr: Tätigkeit anpassen, bis die Beschwerden unter Kontrolle sind

Viele dieser Anpassungen sind einfach und kosten wenig. Für das Gespräch mit dem Arbeitgeber oder der Arbeitsmedizin im Betrieb hilft ein Arztbrief, der die Einschränkungen konkret beschreibt – nicht nur die Diagnose.

Leistungsfähigkeit nachvollziehbar beurteilen

Ob jemand mit PoTS eine bestimmte Arbeit leisten kann, ist keine Frage der Diagnose allein, sondern der Funktion: Wie lange ist Stehen möglich? Welche körperliche Belastung wird toleriert? Wie viele Pausen sind nötig? Diese Fragen lassen sich objektivieren – mit Stehtest und Schellong-Test, mit der Ergometrie und mit einem Verlauf über mehrere Wochen. Wichtig ist außerdem die Abgrenzung zu ME/CFS: Bei post-exertioneller Malaise sagt eine einzelne Belastungsuntersuchung wenig über die Belastbarkeit an den folgenden Tagen aus.

Krankenstand, Pension, Versicherung

Wenn PoTS die Arbeitsfähigkeit länger einschränkt, geht es oft um Krankenstand, berufliche Rehabilitation, eine Pension wegen geminderter Arbeitsfähigkeit, eine private Berufsunfähigkeitsversicherung oder – bei Beamt:innen – die Dienstfähigkeit. In diesen Verfahren entscheidet ein ärztliches Gutachten. Kreislaufregulationsstörungen werden dort nicht selten unterschätzt oder pauschal als „psychisch" eingeordnet, weil sie sich in einer einzelnen Untersuchung im Sitzen kaum zeigen.

Als Facharzt für Arbeitsmedizin und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger prüfe ich solche Gutachten unabhängig: Wurde der Kreislauf im Stehen überhaupt untersucht? Ist die Leistungsbeurteilung aus den Befunden hergeleitet? Die erste Rückmeldung dazu ist kostenlos: winker-gutachten.at (Österreich) bzw. winker-gutachten.de (Deutschland).

Zuerst die Behandlung

Für die meisten Menschen mit PoTS ist die gute Nachricht: Mit Volumen, Kompression und einem dosierten Training bessert sich auch die Belastbarkeit im Beruf. Bevor es um Einschränkungen auf Dauer geht, sollte deshalb eine strukturierte Abklärung mit Trainingsplan stehen – siehe Behandlung und Training.

PoTS-Abklärung – ein Paket, ein Preis

Fragebogen, Befund-Upload, Stehtest zu Hause, Untersuchung mit Schellong-Test und Ergometrie in Wien (für Deutschland und die Schweiz per Video), individueller Behandlungs- und Trainingsplan und ausführlicher Arztbrief – Festpreis 490 €.

Zum Paket →

Zum Autor: Prim. Priv.-Doz. Dr. Robert Winker ist Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin in Wien, habilitiert an der Medizinischen Universität Wien und Erstautor der randomisierten Studie zu Ausdauertraining bei orthostatischer Intoleranz (Hypertension 2005). Publikationen zu PoTS

Quellen

Winker R. Orthostatische Intoleranz – Prävalenz, Diagnostik und die Bedeutung für die Arbeitsmedizin. Wien Klin Wochenschr 2004;116(Suppl 1):40–46. (PubMed 15518091) DOI

Winker R et al. Diagnostic management of orthostatic intolerance in the workplace. Int Arch Occup Environ Health 2003;76:143–150. DOI

Vernino S et al. POTS: State of the science and clinical care from a 2019 NIH Expert Consensus Meeting – Part 1. Auton Neurosci 2021. DOI

Chung TH et al. Postural Orthostatic Tachycardia Syndrome (POTS): A Review. JAMA 2026. DOI

Dieser Beitrag ist allgemeine medizinische Information und ersetzt keine Untersuchung. Bei Brustschmerz, Ohnmacht mit Verletzung, schwerer Atemnot oder neuen neurologischen Ausfällen: Notruf 144 (Österreich) bzw. 112.